Sofirn HS45

Disclaimer: Sofirn hat mir die Lampe kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf das Review hatte dies keinen Einfluss.


Einleitung

Eine aktiv gekühlte Winkellampe, zwar groß, aber noch kompakt genug zu Nutzung als Stirnlampe? 1500 Lumen konstant? Das gabs noch nicht mal ansatzweise bisher, da war ich doch sehr gespannt, ob Sofirn da wirklich gezaubert hat!


Spezifikationen laut Sofirn

Es gibt aktuell nur die eine, schwarze Version der HS45. Die Lampe könnt ihr direkt bei Sofirn erwerben.


Packungsinhalt und Eindrücke

Die Lampe kommt in der typischen Sofirn-Verpackung, ein weißer Karton mit Aufdruck der Lampe und allen wichtigen Details.

Die Lampe ist innerhalb der Pappschachtel sicher in einem Plastiktray verwahrt. Daneben liegt das Stirnband, darunter ein Clip, ein Lanyard samt zwei Ersatz-O-Ringen, ein USB-C-C-Kabel und eine Anleitung.

Die Lampe selbst – Schwarz, leicht glänzend. Keine Fehler in der Verarbeitung zu finden. Silberner Schalterring und Bezel als Akzente. Auf den ersten Blick recht unauffällig.

Aber schaut man seitlich drauf, sieht das doch schon anders aus, denn man kann durch den Kopf durchschauen!

Von hinten sieht man den Lüfter. Darunter sitzt der USB-Port, der mit einer sehr gut sitzenden Gummiabdeckung verschlossen wird. Dieser ist das große Alleinstellungsmerkmal der Lampe und läuft in High und Turbo immer mit. Schaltet man herunter, läuft er nach, schaltet man aus, geht er aus. Beim ersten einschalten läuft er nahezu lautlos an und wird dann immer schneller, wenn die Lampe warm ist startet er sofort voll.

Der kleine Propeller ist hörbar, aber auch an der Stirn nicht in einem Maß, welches wirklich störend wäre. Ganz leichte Vibrationen sind spürbar, die hört man auch, wenn die Lampe auf dem Tisch liegt. In der Stirnhalterung gehen diese unter.

Der Luftstrom ist kaum merkbar und definitiv nicht stark genug, um etwas ansaugen (Haare,…).

Beim Blick in den texturierten Reflektor sieht man die sauber zentrierte LatticePower HP50.1. Domeless, 4 Dies. Wie sich diese schlägt, lest ihr weiter unten im Kapitel „Leuchtprofil und Messungen“.

Von oben hat man freien Blick auf den Schalter. Dieser ist semitransparent, darunter liegt die Akkuanzeige.

Wenn man den Lüfter übersieht, könnte man denken, dass es eine ziemlich normale 21700-Winkellampe ist. 

Die Wärmebildkamera zeigt schön, welche Teile der Lampe sich aufheizen und dass die Lüfterabdeckung einerseits thermisch etwas isoliert ist und andererseits voll im Luftstrom liegt.

Potentielle Probleme

Auf Reddit werden vor allem zwei Problemstellen diskutiert. Meine Meinung dazu will ich euch nicht vorenthalten.

1.: Offenliegende Kontakte am Lüfter.
Diese lassen sich nicht leugnen. Ob sie in Verbindung mit der IPX6-Angabe ein Problem darstellen, kann ich nicht beantworten. Die Wuben X1 Pro, ebenfalls IPX6, ist ähnlich konstruiert, auch hier liegen Kontakte und PCB des Lüfters frei. Ob der Lüfter bei Flüssigkeitskontakt einfach nicht mehr funktioniert und nach dem trocknen wieder zum leben erwacht, ob gar nichts passiert oder ob ein dauerhafter Defekt auftritt kann ich nicht vorhersagen. Eine gewisse Vorsicht in Verbindung der Lampe mit Wasser ist also nicht verkehrt, meine Einsätze im Regen haben ihr nichts anhaben können.

2.: Temperaturregelung.
Es besteht der begründete Verdacht, dass die Lampe bei einem Defekt des Lüfters sehr heiß werden könnte, wer mehr sehen will klickt hier.
Im Normalbetrieb hat bei mir alles funktioniert und ich konnte das Ergebnis nicht reproduzieren. Ich habe die Lampe bei zur Seite gedrehtem Lüfter im Turbo voll aufheizen lassen bis auf 60° Kopf- und über 40° Körpertemperatur, dann auf high geschalten und die Lampe laufen lassen. Dabei ist die Lampe nach dem abregeln im Turbo nie über 50° warm geworden – zugegebener Maßen ein anderer Test als im Video.
So oder so sollte einem bewusst sein, dass die Lampe im Fall eines defektes des Ventilators sehr heiß werden könnte. Wer es ausprobieren will, kann eine Anduril-Lampe auf das Temperaturmaximum stellen – Achtung, schmerzhaft heiß!
Da es sich dabei aber dann so oder so um einen Defekt der Lampe handelt, habe ich mich entschlossen, das hier zwar darzustellen, aber für das Review der Lampe nicht weiter zu thematisieren.


Größe

Auf meiner Waage stehen für die Lampe incl. Akku 166g.

Die Lampe ist 125mm lang, hat am der Tailcap einen Durchmesser von 27mm und die weiteste Diagonale am Kopf beträgt 36,5mm


Trage- und Befestigungsmöglichkeiten 

Lanyard: Ein einfaches Lanyard ist enthalten und kann an der Öse an der Tailcap befestigt werden.

Clip: der Clip wird selbst an den Lampenbody geklippt, das hält auch mehr als ausreichend. Er passt gut zur Lampe und funktioniert angenehm, sofern der Stoff nicht zu dick ist. Ist er Richtung Tailcap montiert, trägt sich die Lampe nahezu Deep Carry. Ist er am Kopf montiert, schaut dieser aus der Tasche heraus.

Magnet: Sofern die Kontaktfläche gut ist, hält der Magnet ausreichend. Ist die Kontaktfläche z.B. rund, würde ich dem Magneten nur noch bedingt vertrauen. Für meinen Geschmack dürfte er also gerne etwas stärker sein.

Stirnband: Das Stirnband hält die Lampe sicher, die Rasterung ist gut. Für Größe und Gewicht der Lampe trägt sich das Ganze auch ausreichend komfortabel. Das Band an sich könnte gerne etwas moderner sein, weniger Elastizität, besser belüftet und eine Silikonstreifen für bessern Halt wären ein sehr willkommenes Upgrade!

Die Platte sitzt aber gut am Kopf und das Band hält die Lampe auch gut an meinem Kletterhelm, funktioniert also schon nicht schlecht.

(Jacken)tasche: In der Jackentasche ist die Lampe unauffällig. In meinen Hosentaschen trägt sie doch etwas auf. Dass es überhaupt funktioniert spricht doch wieder für die Kompaktheit der Lampe, die meisten 21700er Lampen will ich gar nicht in der Hosentasche tragen.


UI (Bedienung)

Das UI ist simpel, bringt aber alles mit, was man von einer modernen Lampe erwarten würde.

Erklärung 1C, 1H…

1C: kurzer Klick, 2C: Doppelklick, …

1H: Drücken und ohne loslassen gedrückt halten

2H: kurzer Klick, gefolgt 1H

Bei ausgeschalteter Lampe:

1C: Einschalten in der gespeicherten Leuchtstufe

1H: Einschalten in Moonlight

2C: Einschalten in Turbo

3C: sperrt und entsperrt die Lampe

Bei eingeschalteter Lampe:

1C: aus

1H: Wechsel der Leuchtstufe in aufsteigender Reihenfolge (L-M-H-L-…)

2C: Turbo -> 2C in Turbo führt zu low

3C: auch Turbo


Leuchtprofil und Messungen

Alle Messungen wurden in meiner 30cm Ulbrichtkugel durchgeführt. Die Temperatur lag dabei zwischen 20 und 24°C. Außerdem wurde noch ein Opple Light Master III und ein TASi TA636B Luxmeter verwendet. Bitte beachtet, dass es sich um Hobbyequipment handelt, Ungenauigkeiten und Abweichungen (auch nach oben!) sind also möglich! Die Genauigkeit liegt aktuell bei ca. 10-15% möglicher Abweichung.

Da meine Kugel nicht kalibriert ist, wurden für eine besser Vergleich alle Lampen frisch vermessen.

Output und Lichtbild

Der Beam der Lampe ist ein großer Spot, der sanft in einen etwas kühleren Spill übergeht. Für Arbeiten in Armlänge wohl für die meisten etwas zu spotlastig, aber darüber hinaus gefällt mir der Beam sehr gut.

Specs (Ansi) / measurements (turn on)ecolowmediumhighturbo
lumen15 / 15160 / 167500 / 5401500 / 16003200 / 3500
Reichweite20m61m110m193293m

Darüber, dass die Lampe ziemlich beeindruckend performed, braucht es keine großen Worte. Die aktive Kühlung tut ihren Dienst! ~ 1350 Lumen dauerhaft ist eine Ansage.

Die Regelung ist über alle Modes gut, ein paar Stufen gibt es allerdings. In High wird etwas heruntergeregelt, später gibt es noch mal eine Stufe. Trotzdem würde ich der Lampe insgesamt eine gute bis sehr gute Regelung unterstellen.

Vergleich zu anderen Lampen

Kurzer Hinweis: Meine HS21 ist gemodded und hat im Spot eine SFT40 5000K, also ein paar Lumen weniger als das Original.

Folgend findet ihr noch einen Vergleich der Laufzeiten der HS45 mit ein paar anderen bekannten Lampen.

CCT, CRI, DUV, PWM

Die HP50.1 hatte ich bisher nicht in der Hand, allerdings ihre Schwester mit Dome, die HP50.2. Ganz ähnlich zu meinen Erfahrungen mit dieser ist die, in diesem Fall mit 6V betriebene, HP50.1 keine LED, die einen Preis für das schönste Licht gewinnen wird, sondern eher auf Output getrimmt.

LowTurbo
CCT5500K5700K
CRI6870
DUV0,0110,004

Flicker ist im grünen Bereich. Die Screenshots zeigen Low.

Dazu passt auch, dass PWM weder mit bloßem Auge noch mit Kamera feststellbar war.

Akkus und Aufladung

Das Ladeverhalten der Lampe ist nicht das schönste. In der CC-Phase(Konstantstomphase) wird der Strom nicht konstant gehalten, sondern macht einen Buckel. Das spricht dafür, dass der Laderegler, vermutlich temperaturbedingt, abregelt. Das ist nicht gefährlich im Sinne einer Brandgefahr o.ä., allerdings kann es durchaus die Lebensdauer des Akkus beeinträchtigen.
Der Abfall des Stroms in der CV-Phase(Konstantspannungsphase) ist unruhig. Theoretisch könnte darunter die Akku-Voll-Anzeige leiden, das Licht würde dann immer rot bleiben. Bei anderen Lampen mit ähnlichen Ladekurven sind entsprechende Fälle bekannt.
Die Spannung bei Ladeende liegt bei 4,2V.

Das klingt jetzt alles recht dramatisch, daher will ich das kurz einordnen: Im schlimmsten Fall opfert man bei Nutzung der internen Ladefunktion ein paar Zyklen Lebensdauer des Akkus im Vergleich zur Nutzung eines externen Ladegerätes – im besten merkt man keinen Unterschied. Wer kein Akkuladegerät hat, muss sich in meinen Augen keine Gedanken machen und kann den Akku problemlos in der Lampe laden.

Die Kapazität ist mit 6071mAh sogar höher als angegeben.


Zusammenfassung

Die Lampe hat bei mir einen ziemlichen Eindruck hinterlassen. Ich hatte nicht erwartet, dass die Werbeversprechen der Realität so nahe kommen. Na gut, 1500 Lumen konstant für 2,5 Stunden sind es nicht und ohne den Ventilator wäre die Lampe eine ziemlich normale, große Winkellampe. 

Das UI passt, der Knopf ist angenehm zu bedienen. Der Clip wirkt durchdacht, das Stirnband funktioniert, ein Upgrade wäre aber nicht schlecht. Die Basics sind also erfüllt.
Paart man das mit der aktiven Kühlung, der guten Laufzeit und dem hohen dauerhaften Output, dann wird schnell klar, Sofirn da ziemlich viel Lampe für den Preis anbietet.

Wie bei jeder Lampe mit aktiver Kühlung und damit beweglichen Teilen muss die Zeit zeigen, ob das Ganze auch Staub und Feuchtigkeit standhält, mit der IP6-Angabe und meinem Eindruck der Lampe bin ich aber guter Dinge, dass die Lampe ausreichend robust ausgelegt ist.
Trotzdem, nennt mich feige, aber, wie in der Bedienungsanleitung angegeben, unter fließendem Wasser abwaschen würde ich die Lampe nicht.

Wer viel Output mag, gern mit technischen Neuerungen spielt oder einfach eine vielseitige Winkellampe braucht, der sollte durchaus einen Blick auf die HS45 werfen. Mir macht meine viel Spaß!

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