Disclaimer: Wuben hat mir die Lampe kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf das Review hatte dies keinen Einfluss.
Alle Messungen wurden mit Hobbyequipment durchgeführt, Ungenauigkeiten und Abweichungen sind dementsprechend möglich.
Einleitung
Die Wuben H4 ist keine typische Lampe für Taschenlampenenthusiasten. Gerade das hat sie aber für mich interessant gemacht. Ich habe einen Hund und wandere und klettere auch. Da ist eine leichte, bequeme Lampe immer willkommen, vor allem, wenn sie sowohl Licht für die Nähe als auch die Ferne mitbringt.
Bisher haben mir dafür oft meine Petzl Actik Core und Swift RL gute Dienste geleistet, die H4 hat auf dem Papier gut in die Lücke zwischen den beiden gepasst.
Spezifikationen laut Wuben
Die Lampe könnt ihr direkt bei Wuben kaufen.

Es gibt mehrere Versionen der Lampe, das Gehäuse kann dabei schwarz, weiß oder sandfarben sein. Mein Exemplar ist sandfarben mit schwarzem Stirnband.
Packungsinhalt und Eindrücke

Die Packung präsentiert die Lampe ziemlich gut. Die blaue Verpackung mit Sichtfenster setzt die Lampe auf die Stirn des aufgedruckten Kopfes – gefällt mir gut! Alle wichtigen Daten sind auf der Packung aufgedruckt.
Enthalten ist neben der Lampe noch ein Stirnband und ein kurzes USB-A-C Kabel. Dazu kommt noch eine Anleitung.

Die Lampe selbst besteht außen vollständig aus Kunststoff. Das ist ungewohnt, trägt aber zum geringen Gewicht bei. Der vordere Teil des Gehäuses und die Halteplatte für das Band sind sandfarben, der Akkudeckel ist hingegen transparent. Die Gehäusehälften werden durch eine sehr gut sitzende Dichtung versiegelt.
Das Scharnier und die Rasterung für den Verstellmechanismus wirken solide. Die Lasche, die das Batteriefach geschlossen hält, ist nicht die dickste, bringt aber eine gute Elastizität mit.


Die Schalter sind unter einer beinahe nahtlos eingelassenen Kunststofffläche verborgen. Sie lassen sich gut voneinander Unterscheiden – einer ist ein erhabener Kreis (Flood), der andere eine geriffelte Fläche (Spot).

Zu den LEDs macht Wuben, soweit ich finden kann, keine Ahngaben. Sie verstecken sich hinter einer TIR, die, soweit ich das Zerstörungsfrei prüfen kann, nicht von Glas bedeckt ist. Die Spot-TIR hat Lamellen, die Flood-TIR Facetten. Für das Rotlicht gibt eine eine eigene Mini-Linse ohne jegliche streuende Oberfläche.

Unterhalb der LEDs findet sich die Anzeige für den Akkustand und die Gestensteuerung.
Letztere funktioniert erstaunlich gut. Die Lampe wird darüber an und aus geschalten, den Modus muss man immer noch an der Lampe wählen. Das habe ich vor allem auf Hunderunden durchaus zu schätzen gelernt, ist aber zum Teil auch etwas tricky, da auch ein Ast oder eine ungewollte Bewegung vor dem Kopf den Sensor aktivieren können. Da man den Sensor aber aktiv einschalten muss, hat man immer die Wahl. Dass der Sensor aktiv ist, wird durch ein pulsierendes Licht in der Akkuanzeige signalisiert.

Die Lampe ist mit 3 AAA Batterien betreibbar, oder mit dem mitgelieferten Akku. Dieser ist USB-C-aufladbar, muss dafür aber entnommen werden.
Ja, proprietärer Akku in Kombination mit Primärzellen, nicht zwingend das, was wir Nerds normalerweise suchen. Aber die Wahrscheinlichkeit, an AAA-Zellen zu kommen ist auch auf der (unbemannten) Berghütte nicht gering. Daher ist dieses Backup nicht unbeliebt, es hat einen Grund, dass sich viele Kletterer mit Black Diamond, Petzl,… auf in die große Welt machen. Lieber weniger Licht als keins!
Größe

Mit Kopfband und Akku, also so, wie ich die Lampe auch einsetze, wiegt sie auf meiner Waage 98g.
Ich habe die Lampe mit 60,6mm x 45,5 mm x 39mm vermessen.
Trage- und Befestigungsmöglichkeiten
Lanyard: Da die Lampe ausschließlich als Kopflampe konstruiert ist, ist kein Lanyard enthalten.
Clip: Da die Lampe ausschließlich als Kopflampe konstruiert ist, ist kein Clip enthalten.
Magnet: Da die Lampe ausschließlich als Kopflampe konstruiert ist, ist kein Magnet enthalten.
Kopfband: Das Kopfband ist vorbildlich. Gute Belüftung, genau die richtige Elastizität und sogar ein Silikonstreifen, dazu noch ein großer Einstellbereich. Passt auch am Kletterhelm gut!


UI (Bedienung)

Das UI ist erfreulich simpel und doch variabel.
Bei ausgeschalteter Lampe:
1H, egal welche Taste schaltet Rotlicht ein.
1C schaltet je nach Taste die gespeicherte Leuchtstufe der gewählten Lichtquelle ein.
Bei eingeschalteter Lampe (Weißlicht):
1C auf den Knopf der aktivierten Lichtquelle schaltet die Lampe aus,
1C auf den Knopf der nicht aktiven Lichtquelle wechselt die Lichtquelle.
1H wechselt die Leuchtstufe (nur aktive Lichtquelle).
2C aktiviert den kombinierten Modus.
Beide Knöpfe gedrückt halten aktiviert / deaktiviert den Gestensensor.
Bei eingeschalteter Lampe (Rotlicht):
1H schaltet die Lampe aus.
1C wechselt zwischen Dauerlicht, Beacon und SOS.
Leuchtprofil und Messungen
Alle Messungen wurden in meiner 30cm Ulbrichtkugel durchgeführt. Die Temperatur lag dabei zwischen 20 und 24°C. Außerdem wurde noch ein Opple Light Master III und ein TASi TA636B Luxmeter verwendet. Bitte beachtet, dass es sich um Hobbyequipment handelt, Ungenauigkeiten und Abweichungen sind also möglich!
Output und Lichtbild
Das Lichtbild im Flood-Modus ist sehr schön. 4000k, sehr gleichmäßig. Der Spot-Modus ist nicht ganz so schön. Der Spot ist leicht grünlich, der Spill etwas kälter. Die Kombination aus beidem ist dann aber doch wieder erstaunlich annehmbar.
Das Rotlicht gewinnt keinen Schönheitspreis, der Spot ist sehr unruhig, Spill gibt es nicht wirklich. Zum Nachts in der Hütte niemanden stören, Strom sparen oder Augen schonen reicht es aber gut. Auch vor seinen Füßen sieht man genug.
| Werksangabe / Messung | low | med | high | Spot + Flood |
| Spot | 15 / 17 | 150 / 160 | 300 / 315 | 800 / 700 |
| Flood | 15 / 17 | 150 / 160 | 300 / 320 | Reaktivierung nach 30 Minuten: 630 |
Die Lampe trifft in meinen Messungen die Werksangaben ganz gut, lediglich im kombinierten Modus messe ich etwas weniger als angegeben.
Für eine Lampe aus Plastik sind sowohl maximaler als auch dauerhafter Output überraschend gut.


Nachdem sich die niedrigeren Leuchtstufen analog zueinander verhalten, habe ich euch eine möglichst übersichtliche Auswahl zusammengestellt.

Die Reichweite gibt Wuben mit 66m an, ich habe in 1m Entfernung 1216cd und damit 70m gemessen.
Den Output mit 1,2V und 1,5V-Zellen habe ich auch vermessen, die Lampe kommt im kombinierten Modus auf 450lm! Das ist deutlich mehr als nur Notbetrieb. Die anderen Stufen sind sehr nahe an den Werten mit Akku, high liegt bei 280lm.
Dabei ist immer zu beachten, dass die Laufzeit stark von den Batterien abhängt und deutlich variieren kann, daher habe ich das nicht getestet.
Wirklich heiß wird die Lampe im Betrieb durch das Kunststoffgehäuse nicht, gerade Richtung Stirn bleibt es angenehm kühl.

Beamshots
Alle Bilder wurden mit den selben Kameraeinstellungen aufgenommen. Die Lampen waren auf dem Kopf, der Winkel kann daher variieren. Die Bilder wurden mit vollen Akkus direkt nach dem Einschalten aufgenommen.
Starten wir mit einem Vergleich der unterschiedlichen Möglichkeiten bei der H4.

Auch einen kleinen Vergleich mit anderen Stirnlampen in einer ähnlichen Leistungsklasse habe ich erstellt:

CCT, CRI, DUV, PWM
| Low Spot | High Spot | Low Flood | High Flood | Turbo kombiniert | |
| CCT | 5000K | 5300K | 4000K | 4000K | 5000K |
| CRI | 69 | 69 | 71 | 71 | 70 |
| DUV | 0,004 | 0,003 | 0,013 | 0,011 | 0,010 |
Flicker ist einwandfrei, exemplarisch Flood Low. Spot sieht dem sehr ähnlich.


PWM lies sich weder mit dem Auge, noch mit der Kamera feststellen.
Akkus und Aufladung
Der Akku ist mit 1700mAh angegeben, das bestätigt die Lademessung auch in etwa. Das Ladeverhalten ist einwandfrei, sowohl CC- als auch CV-Phase sind so, wie sie sein sollten.

Zusammenfassung
Tja, was soll ich sagen? Insgesamt kommt die H4 dem, was ich mir erhofft habe, sehr nahe. Einzig der fehlende Lock ist unschön. Das hat mich schon bei der Petzl Actik gestört und ist (Akku rein oder Isolator raus) immer ein Schritt mehr, um die Lampe in Betrieb nehmen zu können. Wäre schön, wenn Wuben da für die Zukunft nachbessern könnte.
Die Lampe kann auch von nicht lampenaffinen Personen intuitiv bedient werden, ist relativ leicht, sitzt toll am Kopf und bietet deutlich besseres Licht, als ich es in dieser Klasse erwartet habe. Sie ist etwas schwerer als eine Wurkkos HD12 oder Sofirn HS11, läuft aber auch länger, nimmt AAA-Zellen auf und ist vielfältiger.
Die Lampe punktet nicht mit spektakulären Daten oder Eigenschaften, sondern schlicht mit viel Alltagstauglichkeit und füllt Nischen, die andere Lampen offen lassen. Wer eine Lampe für eine dieser Nischen sucht, kann mit der H4 sehr glücklich werden. Ebenso, wer einen zuverlässigen Begleiter für die Hunderunde, die Werkstatt oder das Auto sucht.
Und zu guter Letzt dürfen auch die Alpinisten und Weitwanderer einen Blick darauf werfen. Auch wenn es in diesem Bereich gute Alternativen gibt, die Lampe ist die Überlegung auf jeden Fall wert!

